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Mit der Zeit...          

wird Abhängigkeit von anderen und das ständige bitten müssen zur Gewohnheit.

Dennoch wird es dadurch nicht einfacher und der Wunsch, nur mal für kurze Zeit unabhängig zu sein, übermannt mich immer wieder. Obwohl ich die Tatsache weitgehend akzeptiert habe, dass ich vieles einfach nicht mehr selbst tun kann, so wird es sich wohl nicht ändern, dass es ein sehr ungutes Gefühl ist, ständig auf andere angewiesen zu sein.

Immer Bittsteller zu sein, mag ich lieber vermeiden und ich gehe mit der Zeit Kompromisse ein, die in der Selbstverwirklichung ein großer Rückschritt sind.

Wie einfach wäre es, wenn ich öfters gefragt würde, ob und wie ich eine bestimmte Vorgehensweise möchte. Es ist so viel einfacher, dies auf Nachfrage zu erklären, als erstmal bitten zu müssen.

"Möchtest du...?" lässt sich schnell mit einem eindeutigem Ja oder Nein beantworten. Eine Bitte zu formulieren, verdeutlicht einem immer wieder die totale Abhängigkeit vom anderen. Bin ich dennoch entspannt dazu fähig, traue ich mich oft nicht darauf zu bestehen, dass es möglichst nach meinen eigenen Vorstellungen durchgeführt werden sollte.

Sich zu schminken, die Haare zu stylen, sich besonders nett anzuziehen, ist heute ein ziemlicher Hype, weil es viel Aufwand ist und auch eine Frage der Zeit. Wenn ich nicht exakt ausdrücken kann, wie das Ergebnis aussehen soll und der Helfende kein Händchen dafür entwickelt, es genauso auszuführen, wie gewünscht, dann resigniere ich schon und beschränke mich darauf, eben nur sauber, statt nett zurecht gemacht zu sein.

Das Gefühl, dem Helfenden zur Last zu fallen, schleicht sich immer wieder ein und dann verzichte ich lieber auf Gesichtswasser und Lippenstift...

Natürlich verliere ich dadurch auch einiges an Selbstwertgefühl. Ich bekomme schnell das Gefühl, nicht mehr attraktiv und Frau zu sein. Ich vermeide seit Jahren den Blick in den Spiegel, verstecke mich oft "grinsend" hinter dem Satz: "Wer mich liebt, lacht doch", aber Wohlfühlgefühle weckt das in mir keine.

Es wird auch von meiner Umwelt nicht mehr registriert, wenn sich an meinem Äußeren etwas positiv verändert. Neulich hat mir eine Pflegerin die Fingernägel aufgehübscht, dass die Nägel sehr schön rosafarben glänzten. Leider ist es niemandem in meinem Umfeld aufgefallen oder vielleicht wollte man es auch nur nicht bemerken.

Mit den Haaren ist es auch so eine grausige Sache. Da anscheinend keine(r) in meinem Team in der Lage ist, mein Haar über eine Bürste in Form zu fönen, kann ich niemals die Frisur tragen, die ich möchte. Die Haare bleiben lang, dann kann man sie gut zusammen drehen und am Hinterkopf mit einer Spange befestigen. Da ich den Kopf oft anlehnen muss, natürlich auch immer mit der selben Haarspange, die ich schon  seit 15 Jahren besitze. Sie sieht auch dementsprechend aus, aber dafür drückt sie nicht...

Ähnlich ist es mit dem Essen. Weil alles so viel "Zeit" in Anspruch nimmt, wenn gekocht wird, versuche ich, die Gerichte einfach und schnell zubereitbar zu halten, um die helfenden Hände nicht zu "überfordern".

Ein schön gedeckter Tisch und eine appetitliche Anrichtungsart der Speisen fürs Auge finden meistens nicht statt, vielleicht auch, um Zeit und Abwasch etc. einzusparen. Ich höre auch schon öfters mal den Satz: Geh das so, ich finde es gut so. Darauf zu widersprechen, fehlt mir oft die Kraft und Energie und vorallem möchte ich keine Missstimmung hervorrufen.

Ein Phänomen für mich ist das Anreichen der Speisen durch Pflegende für mich. Ich glaube, dass Menschen, die hilfsbedürftigen Menschen Essen anreichen, unbedingt mit einem Löffel oder einer Gabel zum Anreichen auskommen wollen. Mit Begeisterung und Mühe wird das Essen mit ausschließlich dem Löffel oder ausschließlich der Gabel über den Teller gejagt, dass dieser auch danach ziemlich mitgenommen aussieht. Seltenst ist ein ausschließlicher "Löffelschieber" darin so perfekt, dass es noch appetitlich bleibt.

Ich habe, als ich noch selbständig alleine essen konnte, immer ein 2-teiliges Besteck zum Essen genommen. Nicht nur, um mit dem Messer das Essen in mundgerechte Stücke zu zerteilen, sondern auch, um die kleineren Speiseportionen mit dem Messer auf die Gabel schieben zu können...

Wenn man, wie ich, schon über Jahre von einem Pflegeteam betreut wird, schleichen sich leider aus falscher Rücksichtnahme und weil man nicht ständig bitten möchte, schlechte Gewohnheiten ein.

Man verzichtet auf vieles, das einem früher noch total wichtig war, um die Pflegenden zu schonen, fühlt sich dabei jedoch selbst nicht zufriedener.

Um aus diesem Teufelskreis wieder herauszukommen, braucht man viel Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, das beides abnimmt, wenn man solche Vorgehensweise schon längere Zeit gelebt hat.

Wenn Pflegende ihr Tun daraufhin reflektieren und bemerken, dass sie sich an diesem Teufelskreis schon beteiligt haben, wäre es toll, wenn sie wieder umdenken können und wollen, damit wieder mehr Zufriedenheit und Wohlbefinden auf allen Seiten möglich wird...

www.beatmet-zuhause-leben.de