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02.08.2010 

vor 3 Wochen hatte Kai einen kleinen, noch lebenden Vogel gefunden, dessen Anblick einem wirklich zu Herzen ging. Er fragte mich, ob er wohl Annette, meine Pflegeassistentin, anrufen könnte. Sie hatte erst letztens erzählt, dass sie und ihre Lieben schon öfters kleine Piepmätze gerettet und wieder aufgepäppelt hatten. Zuerst hatten wir noch etwas Hemmungen, Annette womöglich nun noch eine zweite Pflegestelle diesmal in ihrer Häuslichkeit zuzumuten, doch als Ersthelfer muss man handeln oder zumindestens wissen, wer helfen kann...

Annette, ihr Mann und ihre Kinder erbarmten sich liebevoll und der kleine "Adler, der König der Lüfte" aus Kirchheim hat inzwischen eine Odysee bis nach Frankfurt hinter sich, doch das soll euch Annette selbst erzählen...

Die Geschichte des kleinen „Adlers“

geschrieben am 01.08.2010 von Annette Thimm, Conny’s neuer Pflegeassistentin 

Es war an einem Samstag im Juli 2010, abends um halb neun. Zeit, endlich die Beine hoch zu legen und den Alltag hinter sich zu lassen. Das Abendprogramm im Fernsehen bot eine große Vielfalt an schlechten Filmen als beim „Herumzappen“ plötzlich das Telefon läutete. Es war Kai …mit einem Notfall!!

Eine besorgte Stimme drang durch den Hörer: „Ich habe einen kleinen Vogel gefunden, der wahrscheinlich aus großer Höhe aus dem Nest gefallen ist.“ Auf die Frage hin, um welche Vogelart es sich denn handle, beschrieb er mir den kleinen Findling als kleines schwarzes Federvieh mit schwarzem Schnabel. Meine Neugierde sowie das Bedürfnis, meine Erste-Hilfe-Maßnahmen an dem gefiederten Patienten auszuprobieren waren groß! Ich bat Kai, mit dem Vögelchen bei mir vorbeizukommen.

Es dauerte nicht allzu lange, da stand Kai´s roter Notfalltransporter vor der Haustür. Er überreichte mir einen Karton, den er mit Stoffresten liebevoll ausgepolstert hatte (…tja, wenn man wie ich in einem alten renovierungsbedürftigen Haus wohnt, hätte man auf dieses hübsche Wohndomizil glatt neidisch werden können!!). In mitten all dieser flauschigen Stoffkissen thronte unser gefiederter Freund, der auf den ersten Blick weder Amsel noch Spatz war. Sofort zu erkennen war nur, dass es ihm nicht sehr gut ging. Er hatte die Augen fest geschlossen, lag schon auf der Seite, und man bekam den Eindruck als würde er sich schon auf den Einzug in die ewigen Jagdgründe vorbereiten!

Immer noch rätselnd und fragwürdig dreinblickend standen Kai und ich vor dem Karton, als mein Mann Guido plötzlich dazukam und meinte: “ Oh, das ist ja ein kleiner Mauersegler! Wenn der mal auf dem Boden gelandet ist, dann kommt er da von alleine nicht mehr hoch. Er ist ein Vogel, der sich fast ausschließlich in der Luft bewegt!“

Nun denn, die unbekannte Vogelart war somit aufgeklärt und wir bedankten uns bei Kai für die liebevolle Erstversorgung. Der Samstagabend war gerettet und wir hatten endlich einen „sinnvollen“ Zeitvertreib. 

Als erstes informierten wir uns im Internet über die „Mauersegler“ und wurden uns schnell der Tatsache bewusst, dass es sich bei der Aufzucht um ein sehr diffiziles Unterfangen handelte.

Unsere bisherigen Vogelkinder waren in der Tat einfacher aufzuziehen. Wir hatten schon Erfolge bei einem Spatz, einem Stieglitz, einem Grünfink, einem Buchfink (der, nachdem wir ihm das Fliegen beigebracht hatten, mit uns sogar schon Ausflüge ins nahe gelegene Freibad unternahm…), einer Rabenkrähe und schlussendlich einer kleinen Stockente!! Um all diese gefiederten Freunde hatten wir uns im Lauf der letzten Jahre gekümmert und mit Erfolg wieder ausgewildert. (…Dem Buchfink fiel die Trennung allerdings am schwersten, weil er nicht mehr mit uns ins Freibad durfte!!) 

Da wir uns sehr schlecht im Insektenfangen anstellten und hinterher auch mit der Nahrungszubereitung von „Lebendfutter“ die eine oder andere Schwierigkeit hatten, stellten wir den Speiseplan kurzerhand auf vegetarische Kost um! Wir bereiteten einen Brei aus Quark, gekochtem Ei, geriebenem Apfel und eingeweichtem Toastbrot zu und fütterten die kleinen hungrigen Jungvögel stündlich damit. Mit diesem Quarkbrei – der immer freiwillig und von allen gerne verschlungen wurde - konnten wir all unsere Vogelkinder großziehen und nach ein paar Wochen wieder in die Freiheit entlassen. Bei unserem Mauersegler allerdings stellte sich die ganze Angelegenheit als sehr schwierig heraus!

Von freiwilligem Schnabelöffnen hielt der kleine Kerl überhaupt nichts. Auch nachdem sich meine kleine sechsjährige Tochter Lisa dieser ganzen Sache angenommen und eine Stunde lang auf den kleinen Vogel eingeredet hatte, er solle doch endlich Futter zu sich nehmen, sonst würde es ihm so ergehen wie einst dem Suppenkasper, verweigerte unser kleiner Segler jegliche Nahungsaufnahme. So mussten wir ihm dann mit einem Schaschlikstäbchen vorsichtig den Schnabel öffnen und ihm mühsam den Quarkbrei eintrichtern. Die Fütterung gestaltete sich zunehmend als schwierig und wir hatten immer das Gefühl, dass wir den kleinen Vogel gegen seinen Willen ernähren. Er wehrte sich mit all seinen Kräften und wäre er ein Kleinkind gewesen, das man stündlich mit Spinat hätte füttern wollen, so wäre die Reaktion bestimmt die gleiche gewesen.

Obwohl der Vogel anfangs in einem sehr geschwächten und erbärmlichen Zustand war, überlebte er bei uns fast eine ganze Woche. Mit ein paar Aufbaupräparaten gegen seinen Federverlust und getrocknetem Lebendfutter wurde er zusätzlich gefüttert. Ein paar Arnika-Globuli haben wir ihm ebenfalls ins Futter gemogelt – wer weiß, vielleicht hat’s ja auch ein bisschen geholfen!!

Auch meine beiden Kinder, Simon und Lisa, kümmerten sich liebevoll um ihn, und schon bald gehörte der kleine Segler zur Familie. Lisa, die in der Früh eigentlich nie gut aus den Federn kommt, war plötzlich die erste morgens und saß schon lange bei ihrem kleinen neuen Freund bevor einer von uns das Wohnzimmer betrat.

Nach einer Woche stießen wir mit der Vogel-Rundum-Betreuung jedoch an unser Grenzen. Guido und die Kinder mussten am Wochenende zu einem Sommerfest mit Übernachtung und ich musste an den Chorproben teilnehmen, da am Wochenende ein Konzert bevorstand. Wer sollte sich nun um unseren Familienzuwachs kümmern?

Guido und ich hatten am Donnerstagabend bis weit nach Mitternacht im Internet nach hilfreichen Adressen und Telefonnummern gesucht. Wir hatten endlich herausgefunden, dass es in Frankfurt eine Aufzuchtstation für Mauersegler gab. Da Guido seinen Arbeitsplatz im entfernten Heidelberg hat, nahm er den kleinen Kerl am nächsten Tag kurzerhand mit zur Arbeit. Dort angekommen, telefonierte er unter anderem mit dem dort zuständigen Tierheim und erfuhr, dass für den Nachmittag um 16.00 Uhr ein „Mauersegler-Transport“ nach Frankfurt organisiert sei und sich unser Piepmatz gerne noch dazugesellen dürfe. Nach einem kleinen Zwischenstopp in Heidelberg durfte unser Mauersegler also weiterfahren bis nach Frankfurt in die Aufzuchtstation!!

Obwohl wir uns schon so an den kleinen Kerl gewöhnt hatten und wir unser bestmöglichstes für ihn getan haben, waren wir alle überglücklich, dass sich nun Fachleute um den kleinen Kerl kümmerten. Lebende Heimchen zu verfüttern hat wirklich nicht zu unseren Lieblingsaufgaben gehört!! 

Bei meinem gestrigen Besuch bei Conny hat sie sich wieder nach dem Befinden des „kleinen Adlers“ erkundigt, wie sie ihn immer zu nennen pflegte. Wir haben seitdem nicht mehr in der Aufzuchtstation angerufen, damit unsere Geschichte mit einem „Happy End“ aufhört. 

Bestimmt geht es ihm gut und er hat dort schon viele neue Freunde gefunden. Wir denken jedenfalls noch oft an ihn, werden uns immer gerne an ihn erinnern und erfreuen uns an den schönen Fotos, die wir in dieser Zeit gemacht haben. 

Für Conny und ihre Homepage habe ich diese kleine „Adlergeschichte“ aufgeschrieben und hoffe, dass sie euch gefällt.

Liebe Grüße an alle Tierfreunde und die, die es noch werden wollen…

Eure Annette Thimm ;-)


www.beatmet-zuhause-leben.de