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Fünf Musiker rocken bei Conny Pabst
Kirchheimer Musiknacht in 49 Locations - Bands spielen bei der 50-jährigen, die an nicht heilbarem Muskelschwund leidet

 Am Samstag, 5. Juni, steigt die 13. Kirchheimer Musiknacht. Die Organisatoren warten heuer mit einer Besonderheit auf: Fünf Musiker gastieren in der zum Konzertraum umfunktionierten Wohnung von Conny Pabst aus Kirchheim. Die Musikliebhaberin,  die an nicht heilbarem Muskelschwund leidet, muss künstlich beatmet werden und ist seit mehreren Jahren ans Bett gefesselt.


HEIKE ALLMENDINGER, Der Teckbote

 Kirchheim. 50 rot leuchtende Erdbeeren aus Filz hängen an einem Zweig von der Decke herab, zwei grasgrüne Plüsch-Frösche mit Krönchen auf den Köpfen grinsen dem Besucher entgegen, und zahlreiche kleine Engel, die auf einem Regal über dem Bett sitzen, wachen über die „Hausherrin“. Die Wohnungseinrichtung von Conny Pabst ist genauso lustig und fröhlich wie die Kirchheimerin selbst.

Das wissen auch die Organisatoren der Kirchheimer Musiknacht. Und genau deshalb haben sie sich dazu entschlossen, die Wohnung der 50-Jährigen bei der Musiknacht 2010 zu einer Location umzufunktionieren, in der fünf Musiker für Stimmung sorgen werden. "Sie haben mich mit einem gigantischen Programm überrascht", erzählt Conny Pabst strahlend. So werden am Samstag, 5. Juni, Boris Kunz (ab 18 Uhr), Paul Lawall (ab 19 Uhr), Raphi und Jörg (ab 20 Uhr) sowie Werner Dannemann  (ab 21 Uhr) in der Dettinger Straße 32 zur Höchstform auflaufen – und zwar nicht nur für Conny Pabst und ihre Freunde, sondern für jeden einzelnen Besucher der „Location 49“.

 „Die Organisatoren der Musiknacht kennen mich und wissen, dass ich darunter leide, nicht mehr ins Städtle gehen zu können“, erzählt Conny Pabst, die an fortschreitendem, nicht heilbarem Muskelschwund leidet und seit mehreren Jahren ans Bett gefesselt ist. Deshalb entstand die Idee, die Musiknacht in die Wohnung der Kirchheimerin zu bringen, die gerne Feste feiert und guter Musik lauscht. "Es wird 49 Locations geben. Weil die Wohnung von Conny Pabst zum Schluss dazukam, heißt sie Location 49", klärt Torsten Wenzel auf, der die Musiknacht mitorganisiert. Bis zu 45 Leute haben in der "Location 49" Platz, die Freunde von Conny Pabst werden die Wohnung kurzerhand ausräumen und in einen kleinen Konzertraum verwandeln.

 Zu früheren Zeiten war Conny Pabst oft bei der Musiknacht mit von der Partie. Damals konnte sie noch im Rollstuhl Konzerte besuchen. Doch seit einiger Zeit hat sie so starke Schmerzen, wenn sie im Rollstuhl sitzt, dass solche kleine Ausflüge nicht mehr möglich sind. Ihren Lebensmut und ihre Fröhlichkeit hat die Kirchheimerin dennoch nicht verloren – und das, obwohl sie schon in jungen Jahren ein schweres Schicksal hinnehmen musste: Als achtjähriges Mädchen erhielt Conny Pabst die Diagnose progressive Muskeldystrophie. Zunehmend tat sie sich beim Gehen schwer,  hinzu kamen Probleme beim Treppensteigen. Als sie zwischen zehn und 14 Jahre alt war, entwickelten sich Versteifungen in den Fußgelenken. "Eigentlich hatte man mir gesagt, dass ich nicht vor dem 50. Lebensjahr im Rollstuhl sitzen würde", erzählt Conny Pabst. Doch es kam anders – der fortschreitende Muskelabbau führte schließlich dazu, dass sie im Alter von 19 Jahren die Gehfähigkeit verlor.

 Conny Pabst ließ sich trotzdem nicht unterkriegen und absolvierte im Berufsförderungswerk in Heidelberg eine Ausbildung zur Programmiererin. Anschließend arbeitete sie zunächst bei der Kirchheimer Wasserversorgung Blau-Lauter-Gruppe und wechselte schließlich zur örtlichen Kreissparkasse.

 Vor neun Jahren aber wurde Conny Pabst mit einem erneuten Problem konfrontiert: Sie hatte mit einer zunehmenden Atemmuskulaturschwäche zu kämpfen. "Die Muskulatur ist immer schwächer geworden. Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr dazu, ausreichend genug Luft zu holen." Conny Pabst wurde ohnmächtig, fiel aus dem Rollstuhl und brach sich dabei den Oberschenkelhals. Sofort wurde sie in die Klinik gebracht, dort lag sie drei Tage lang im Koma. "Meinen Eltern ist kein Mut gemacht worden, dass ich das ohne zurückbleibende Hirnschädigung überlebe", erinnert sich Conny Pabst. Doch die Kirchheimerin ist eine Kämpfernatur: Sie erwachte wieder aus dem Koma – allerdings muss sie künstlich beatmet werden.

 "Es war ein großer Schock, als ich davon erfahren hatte", erzählt Conny Pabst. "Das Atmen braucht jeder zum Leben. Wenn man merkt, dass es nicht mehr funktioniert, löst das irrsinnige Panik aus." Deshalb bekam sie eine Zeit lang starke Psychopharmaka. "Das Beängstigende war nicht nur die künstliche Beatmung selbst, sondern auch die vollkommmen neue Situation mit den Geräten und dass man nicht wusste, was nun mit einem geschah." Doch Conny Pabst arrangierte sich auch mit dieser Situation, nach neuneinhalb Wochen wurde sie schließlich aus der Klinik entlassen. Seither kümmert sich ein zehnköpfiges, in Schichten eingesetztes Pflegeteam 24 Stunden am Tag um die lebensfrohe Frau, die inzwischen nur noch die Hände und den Kopf  bewegen kann. Ein Gerät, das pfeifende Geräusche von sich gibt und das über einen Schlauch durch eine Kanüle  in ihrem Hals Luft in ihre Lunge pumpt, steht neben dem Bett in einem Regal. "Man gewöhnt sich dran", sagt Conny Pabst und lächelt. "Wichtig ist, dass man gute fachliche Pflege erhält." Und die weiß sie auch zu schätzen: "Es gibt viele Menschen, die alleine sind und niemanden haben. Mir geht es gut, weil mich meine Pfleger rund um die Uhr versorgen." Conny Pabst braucht allerdings dringend weitere Pfleger, die Beatmungserfahrung haben. "Es ist schwierig, gute Leute zu bekommen, weil sich nur wenige für die Pflege Zuhause entschließen."

 Ans Bett gefesselt zu sein und nur noch mit Hilfe von Geräten leben zu können, eine solche Situation ist für die meisten Menschen unvorstellbar. "Viele sagen: ,Maschinen und Schläuche – das will ich nicht", weiß Conny Pabst. "Aber das ist nur die Angst." Deshalb macht sie sich dafür stark, dass man Patientenverfügungen nicht leichtfertig verfasst. "Es ist nicht einzusehen, warum man sein Leben aufgeben sollte, nur weil man nicht mehr die Kraft dazu hat, ausreichend Luft zu holen", betont Conny Pabst. Um den Menschen diese Botschaft zu vermitteln, hat sie eine Homepage erstellt. Auf www.beatmet-zuhause-leben.com berichtet die Frau über ihre Krankheit und informiert über die künstliche Beatmung Zuhause. "Ich hatte sehr große Angst davor", räumt Conny Pabst ein. "Aber ich möchte trotzdem allen Menschen Mut machen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich."

www.beatmet-zuhause-leben.de