keyvisualkeyvisual
Beatmet
Neue Situation
Alltag
Krankheitsgeschichte
Häusliche...
Tagebuch
Erfahrungen...
Informatives...
Hilfsmittel Beatmung
Pflegezubehör Stoma
Weitere Hilfsmittel
Tracheotomie...
Kanüle / Maske
Früh genug beatmen
Interessante Dialoge
Patientenverfügung
Essenszubereitung
AUCH  BETROFFENE...
Persönliches...
Für euch
Buchempfehlungen...
Zeitungsartikel...
Biografieversuche...
Teeniezeit bis 18
Jugend bis 30 ;-)
Fotos-Fotos-Fotos...
Lieblings...
LINKS...
Gästebuch
Kontakt
Impressum
Sitemap


Besucher

Ja toll, jetzt war ich 18 Jahre und offiziell erwachsen. Supi, eigentlich fühlte ich mich nicht anders, doch der Ernst des Lebens sollte jetzt beginnen.

Er begann auch, denn nach der Schule musste ich mir nun überlegen, was ich für einen Beruf erlernen wollte. Also ging es aufs Arbeitsamt, von dort wurde ich ins Berufsförderungswerk Heidelberg zur Berufsfindung geschickt. Das war für mich ziemlich schockierend. Zwar war ich mir meiner Behinderung bewusst, hatte sie einigermaßen akzeptiert und konnte damit leben, aber was mir im BfW Heidelberg widerfuhr, war doch ´ne andere Hausnummer.

Ich kam quasi in ein kleines Dorf mit 5 Wohnheimen, mehreren Unterrichtsgebäuden, einer riesigen Mensa, Cafe, Kasino, Schwimmbad, Klinische Abteilung, mehrere Ärzte, Physiotherapie, Psychologische Betreuung, Pflegegruppen - alles in Hochhäusern untergebracht - es erschlug mich regelrecht.

Damals lief ich ja schon so schlecht - hier musste man sich aber auf Wanderschaft begeben. Wenn man frühstücken wollte, ging´s in die Mensa, danach zur Berufsfindung, zum Mittagessen wieder in die Mensa, dann wieder zur Berufsfindung. Zwischendurch auf Toilette ins Zimmer, weil ich nur mit dieser Toilette bzw. deren Höhe klar kam... Es war so irrsinnig und ich nach dem ersten Tag völlig kaputt.

Hier begegneten mir so viele Menschen mit Handicap, für die anderen alle schien das ganz normal, doch ich war es nicht gewohnt. Ich war mein bisheriges Leben nur mit gesunden Menschen zusammen gewesen und konnte gut um Hilfe bitten, dass man mich beim Gehen etwas stützt. Hier war ich völlig auf mich allein gestellt und traute mich niemand zu fragen, ob mir jemand hilft.

Schuld daran war auch, dass ich mein Zimmer mit einer ganz unangenehmen Frau, der man keine Behinderung ansah, teilte. Als mir am ersten Tag meine Seife im Bad auf den Boden fiel und ich sie bat, sie mir bitte aufzuheben, meinte sie nur: "Mach´s doch selber". Das war für mich so schlimm, dass ich versuchte so wenig wie möglich Kontakt mit ihr zu haben und mich völlig zurück zog.

Es war alles so beeindruckend, aber auch beängstigend für mich. Ab dem zweiten Tag blieb ich immer im gleichen Hochhaus und wanderte nur noch Kurzstrecken. Gottseidank hatte ich mein Zimmer im gleichen Hochhaus, indem auch die Berufsfindung stattfand, so war der Weg nur noch: Zimmer - Fahrstuhl - Foyer - Berufsfindung und wieder zurück. In die Mensa ging ich nicht mehr, ich hatte so große Angst allein zu stolpern und zu fallen, so warf ich mein Geld in den Automaten im Foyer und ernährte mich 3 Tage von Süßigkeiten, Chips und Cola.

Dann zog die Schrappnell aus und ich bekam eine ganz reizende Zimmermitbewohnerin, Esbeth aus Schwendi. Sie hatte einen gelähmten Arm, war aber so geschickt und vorallem sehr hilfsbereit, dass jetzt doch noch eine tolle Zeit begann. Sie ging zusammen mit mir in die Mensa, ins Cafe, zum Tanzabend. Plötzlich begann ich mich wohlzufühlen, von ihr gestärkt und gestützt bekam ich auch wieder Lust unter Menschen zu gehen und lernte dort einige sehr nette kennen.

Die Berufsfindung ergab, dass ich ein überdurchschnittliches logisches Denkvermögen und eine besondere mathematische Begabung hätte. Mein Mathelehrer hätte sich darüber scheckig gelacht und vermutet, dass meine Tests sicher mit anderen verwechselt worden wären... Doch man riet mir vehement zur Ausbildung zum Datenverarbeitungskauf- mann. Ich konnte mir das zwar nicht genau vorstellen, was mich da erwartete, aber ich willigte doch ein.

Ich war im September 1977 mit der Berufsfindung fertig und saß am 5.September abends mit meinem Vater ziemlich geschockt vor dem Fernseher und verfolgte die Berichterstattung über die Entführung von Hans Martin Schleyer. Ich erinnere mich daran so genau, weil an diesem Abend noch überraschend der Kay aus Heidelberg vorbei kam, den ich während der Berufsfindung kennengelernt hatte. Als er um 21:30 klingelte und mein Vater oben aus dem Fenster schaute, wer da war, rief er meinem Vater zu: "Guten Abend Herr Abt, ich würde gerne zu Ihrer Tochter!" Mein Vater antwortete trocken: "ich bin nicht Abt, noch Bischof, sondern Pabst - also keine Degradierungen bitte..." - Tolles erstes Kennenlernen, aber Kay wurde doch wohlwollend eingelassen.

Die Ausbildung zur Datenverarbeitungskauffrau begann im Mai 1978. Ich war die einzige Frau in meinem Ausbildungskurs. Da ich damals schon sehr schlecht lief, hatte ich jeden Tag quasi einen anderen Mann am Arm, der mich zum Unterricht, in die Mensa, übers Gelände und wieder zurück ins Wohnheim führte... Mein Ruf war ominös, es rankten sich viele Gerüchte um mich, die ich auch nicht versuchte aufzuklären ;-).

 

 


www.beatmet-zuhause-leben.de